Kommandosicherheit – Anforderungen an ein Therapiepferd

Gerade beim Therapeutischen Reiten muss sich der Reittherapeut zu 100% auf sein Pferd verlassen können. Deshalb ist es so wichtig, dass das Therapiepferd entsprechend ausgebildet ist und auf Kommandos reagiert.

Die Stimme ist bei der Ausbildung eines Therapiepferdes ein wirksames Instrument. Denn sie ist immer verfügbar und man kann sie – je nach Absicht – in der Lautstärke unterschiedlich variieren und einsetzen.

Das Hörvermögen der Pferde ist ausgezeichnet. Pferde hören ein Vielfaches besser als wir Menschen- Menschen hören im Frequenzbereich zwischen 18 und 20.000 Hertz- Pferde mindestens bis 38.000 Hertz. Deshalb kann man in der Ausbildung sich dieses  sensible Hörorgan zunutze machen, weil Pferde eben entsprechend empfindsam darauf reagieren.

Man sollte immer kurze – am besten zweisilbige – Kommandos verwenden. Zu kurze Kommandos verstehen Pferde schlechter, zu ähnliche Kommandos sollte man auch nicht für verschiedene Dinge verwenden (wie z.B. Nein und Fein). Manche Menschen neigen auch dazu in ganzen Sätzen mit ihren Pferden zu sprechen (das sollst du jetzt aber lieber lassen- anstatt Nein)- auch dies sollte man vermeiden- da es aus diesem „Klangsalat“ dann das eigentliche Kommando nicht mehr heraushören kann.

Es gilt:

  • kurze, helle Töne wirken anfeuernd
  • gedehnte, dunkle, tiefe Worte wirken beruhigend
  • kurz und scharf wirkt als Drohung oder Strafe
      1. Name
      Jedes Pferd sollte seinen Namen kennen. In der Gruppe weiß dann immer jedes Pferd stets, wann es gemeint ist.
      Training: So oft wie möglich das Pferd mit seinem eigenen Namen ansprechen- eventuell gezielt aus der Herde rufen und belohnen.
      2. Anhalten: Brr Steh
      Das Pferd sollte bei jeder Situation auf das Kommando reagieren und stehen bleiben.
      Training:

      • vom Boden aus an der Longe im Round-Pen
      • freilaufend im round pen nur auf Zuruf
      • im Gelände unterm Sattel (nur auf Kommando – ohne Zügelhilfe)
      • im Gelände vom Pferd absteigen- Pferd bleibt stehen , ohne dass es grast oder sich bewegt
      • im Gelände Pferd bleibt alleine stehen, auch wenn andere Pferde in der Gruppe sich entfernen oder bereits weiter weg sind
      3. Zurückweichen: Go back

      • vom Boden aus an der Longe im Round-Pen
      • freilaufend im round pen nur auf Zuruf
      • bei jedem Kontakt im Stall immer wieder anwenden (z.B. beim Ausmisten)
      • im Gelände unterm Sattel (nur auf Kommando – ohne Zügelhilfe)
      • im Gelände freistehend auf Zuruf
      4. Loben: „Fein“ oder „Prima“ oder „Brav“
      Dieses Stimmkommando muss eher hoch und mit Begeisterung ausgesprochen werden. Es kann ab und zu mit einem „Leckeri„ oder einem Streicheln an einer Stelle, an der es das Pferd besonders mang, verknüpft werden.
      Wichtig: Die Belohnung muss innerhalb von 2 Sekunden erfolgen.
      5. Kommando: Huf
      Das Pferd sollte auf dieses Kommando den Huf heben und ihn auch so lange oben halten, bis es das Signal zum Absetzten gibt.

      Training: Pferd entweder oben am Bein berühren oder sich sanft gegen die Schulter oder Hinterhand lehnen. Das Kommando „Huf“ geben. Nimmt das Pferd den Huf hoch, sofort loben. Mit der Zeit sollte das Pferd nur noch auf das Kommando Huf den –Huf heben.

      6. Kommando: Langsam
      Wenn das Pferd sich aufregt und man es beruhigen möchte, kann man dieses Kommando einsetzen. Wichtig dabei ist, dass diese Wort tief und sanft ausgesprochen werden sollte: laaaaaaaaaaangsam und dabei selber auch tief ausatmen.

      Training:

      • vom Boden aus an der Longe im Round-Pen das Pferd z.B. schneller traben lassen und dann mit dem Stimmkommando wieder langsamer traben lassen
      • freilaufend im round pen : auf Zuruf Tempowechsel bei Trab und Galopp (erst schneller werden lassen z.B. durch Hopp, Hopp und dann wieder langsamer werden lassen durch das Wort: Laaangsam)
      • im Gelände unterm Sattel auf Zuruf schneller und langsamer werden lassen
      7. Kommando: Pass auf
      Dieses Kommando wird eingesetzt, wenn das Pferd mit seiner Aufmerksamkeit bei anderen Dingen ist nur nicht bei m Reiter/Pferdeführer/Trainer. Dieses Kommando sollte energisch betont werden und kann mit dem Zupfen des Führstricks oder beim Reiten mit einem leichten Schenkeldruck oder einer halben Parade kombiniert werden.

      Training: Beim Anbindeplatz oder beim Führen sofort am Strick zupfen, wenn die Aufmerksamkeit des Pferdes abschweift. Dieses Kommando kann auch im Gelände angewendet werden, wenn das Pferd über ein Hindernis steigen soll oder der Boden rutschig ist, und es vorsichtig treten soll.

      8. Kommando: Nein
      Bei einer unerwünschten Situation kurz und scharf das Kommando „Nein“ aussprechen.
      Das Pferd lernt sehr schnell, dass dieses Verhalten unerwünscht ist.

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 Kommandosicherheit   Anforderungen an ein Therapiepferd
Heilpraktikerin für Psychotherapie, zertifizierte Reittherapeutin des Bundesverbands, Beziehungstherapeutin, ADHS-Coach und Diplom Biologin. Auf unserer ORENDA-Ranch habe ich meinen Lebenstraum verwirklicht: Menschen in Kontakt zu bringen mit ihrer schöpferischen Kraft und dabei helfen meine Tiere. Seit dem Jahr 2000 biete ich tiergestützte Therapie im Einzelsetting und in Gruppen an. Seit einiger Zeit bin ich zertifizierte Reittherapeutin des Bundesverbandes für Therapeutisches Reiten und tiergestützte Therapie und aktives Mitglied im Berufsverband Tiergestützte Therapie und Pädagogik. Zudem bin ich anerkanntes Mitglied im Verein Züchter, Halter und Freunde der Neuweltkamelident e.V. Meine langjährigen Erfahrungen gebe ich in Form von professionellen Ausbildungen zum Reittherpeut/in, Lamatherapeut/in, Tierpfleger/in oder zum Coach für pferde- oder lamagestützte Interventionen weiter.
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3 Gedanken zu “Kommandosicherheit – Anforderungen an ein Therapiepferd

  1. Endlich einmal ein paar Tipps, wie man die Theorie in der Praxis umsetzen bzw. trainieren kann.
    Super, vielleicht gibts ja noch mehr Tipps!?

  2. Pingback: Pferde gebisslos reiten schafft Vertrauen und Sicherheit | Orenda-Ranch - Blog

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